2019

 

Tagesfahrt ins „Schwäbische“ am 20.03.2019

Es war schon riskant und leicht verwegen, so zeitig im Frühjahr eine Fahrt „ins Blaue“ vorzusehen und dazu ein schönes, sonniges und einigermaßen warmes Wetter erwarten zu wollen. Noch am Montag – also zwei Tage zuvor – hatten wir im Allgäu ein Schneegestöber und die ganze Natur war erneut winterlich weiß.

Doch schon am folgenden Tag hellte sich der Himmel zunehmend auf und dann – an unserem Reisetag – war der Himmel strahlend blau und wolkenlos, jedoch die Temperaturen und vor allem die gefühlten waren doch noch eher vorfrühlingshaft.

Unsere Fahrt führte uns auf der A7 nordwärts. In Memmingen noch schnell zwei Passagiere an Bord geholt fuhren wir flott unserem ersten Ziel entgegen, dem Krippenmuseum in Oberstadion. Das mit dem „flott“ planten wir zumindest so! Denn in Biberach bremste uns eine undeutlich ausgeschilderte Umleitung aus. Doch für Johann, genauer gesagt Johann 1, den meisten unserer Fahrgästen von früheren Fahrten bestens bekannten Busfahrer von Arnold-Reisen, war dies kein Problem. Abbiegen nach links, zweimal nach rechts, dann geradeaus, gefolgt von einer flotte Kehrtwende in einem unbekannten Firmengelände und schon waren wir wieder auf der Zielgeraden. Nach kurzweiligen Minuten erreichten wir – noch einigermaßen im Zeitplan – Oberstadion und wurden dort auch schon von drei Führungspersonen des Krippenmuseums erwartet. Wir sammelten uns vor dem Museumsgebäude, einer ehemaligen Pfarrscheuer, jedoch inzwischen technisch modern renoviert und denkmalgeschützt. Dort hat eine der bedeutendsten und größten Krippenausstellungen Europas ihren würdigen Platz gefunden. Die Krippen selbst – einfach einzigartig und grandios! Was für eine Pracht! Wie wunderbar und detailreich die Häuser, die Landschaften, die Ausdrucksstärke der biblischen Figuren und das Hervorheben der wesentlichen Vorkommnisse und Handlungen dargestellt wurden. Dazu die in lockerer Atmosphäre erzählten, jedoch fachlich hoch kompetenten Erläuterungen über den Bau solcher Krippen zusammen mit den religiösen Hintergründen und Zusammenhängen ließen uns nur noch staunen.

Man hätte noch stundenlang den Ausführungen unserer drei Krippen-Fachkräfte lauschen können, aber die Zeit war leider um und so langsam meldeten sich unsere Hungergefühle. Wo waren wir angemeldet zum Mittagessen? Ach ja, in Blank´s Brauereigaststätte in Zwiefaltendorf. Ein schwäbischer Traditionsgasthof, eine eigene Brauerei, eine Mosterei, eine Brennerei und ein eigener Brauereimarsch. Die Summe dieser Prädikate deuteten ja schon auf einen besonderen kulinarisch-paradiesischen Ort hin. Und so war es denn auch: Maultaschen, Schwabenteller, Schwäbischer Rostbraten und so fort. Meistens dazu schwäbische Spätzle, wahrscheinlich sogar handgeschabte und dazu eines (oder ein weiteres) der süffigen Biere aus der Produktpalette der hauseigenen Brauerei. Hmm !

Nach dem Mittagsmal konnten wir in der wärmenden Sonne vor dem Gasthof und am vorbeifließenden Mühlbach unsere Frühlingsstimmung verinnerlichen. Auf dem nahen Kirchturm schaute uns ein Storch zu, schwang sich elegant in die Lüfte, drehte eine Runde und grüßte uns so zum Abschied.

Weiter ging unsere Fahrt, jetzt auf der Oberschwäbischen Barockstraße. Vorbei an Riedlingen und am Aussichtsberg Bussen. Unser nächstes Ziel war der Federsee und Bad Buchau. Doch momentan hatten viele von uns ihre Gedanken eher bei einer Tasse köstlich duftenden Kaffees, zusammen mit einem „süßen Stückle“ und mit einem Sahnehäubchen oben drauf.

Unser Bus fand eine Parkmöglichkeit gleich am Anfang vom Federseesteg. Kaffeetrinken war momentan vergessen; die meisten spazierten sogleich los auf den langen Steg und durch den weiten Schilfgürtel hinaus bis zum Wasser. Der See entstand am Ende der letzten Eiszeit, als der Gletscher hier die Landschaft besonders tief ausraspelte und sich das Schmelzwasser hier sammelte. Heute ist diese weite Landschaft, das Moorgebiet, das Federseeried und der Federsee selbst ein einzigartiges und großflächiges Naturschutzgebiet und Heimat für eine unzählige botanische und zoologische Vielfalt. So wundert es nicht, dass der Federsee mit seinem Umfeld schon im 5. bis 1. Jahrtausend vor Christus besiedelt wurde, dort die ersten Pfahlbausiedlungen entstanden und heute die weiträumige Gegend um Bad Buchau zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Es gibt Tage, die einfach ein paar Stunden mehr haben dürften. Und unser Ausflugstag war so einer. Auf unserer kurzen Autobahn-Heimfahrt senkte sich rechts die rote Scheibe der untergehenden Sonne und auf der linken Seite folgte uns, knapp über dem Horizont, das bleiche Rund des aufgehenden Vollmonds als wollte er uns unbedingt begleiten. Die Rückfahrt war einerseits geprägt von einer gewissen Wehmut nach den vielen, wunderschönen und mannigfaltigen Eindrücken dieses Tages, den ausnahmslos netten und frohgestimmten Leuten unserer Gruppe und andererseits von einem Gefühl der Dankbarkeit, dass wir alle zusammen einen so schönen Tag erleben durften.

Danke von mir an die ganze Reisegruppe. Es war einfach großartig ….

 

pd